Jährlich erkranken in der Bundesrepublik ca. 480 000 Menschen neu an Krebs. Die Krebserkrankung stellt eine fundamentale Bedrohung der ganzen Person dar. Die bisher im Leben erworbenen Bewältigungsstrategien zur Meisterung von Krisensituationen reichen nicht aus.

Die Betroffenen fühlen sich häufig erst durch die Behandlung (Operation, Bestrahlung, Chemotherapie) krank, und es erfordert enorme Umstellungen, die viele Bereiche berührt:

  • Das verletzte Körperbild
  • Funktionseinbußen
  • Die emotionale Verarbeitung des Verlustes der Gesundheit
  • Einbußen der Leistungsfähigkeit
  • Einbußen der finanziellen Sicherheit
  • Neuorientierung der eigenen Normen und Werte
  • Überforderte Angehörige
  • Gesellschaftliche Ausgrenzung

Einige der oben genannten Ebenen der Existenz scheinen gleichzeitig ins Wanken zu geraten, so dass es hilfreich sein kann, von Betroffenen, die die Krise bereits bewältigt haben und Fachleuten, die in dem Bereich professionell tätig sind, unterstützt werden.

Motive, die zur Gründung der Selbsthilfegruppe für Krebsbetroffene geführt haben, lagen darin, dass die quantitative und qualitative psychosoziale Versorgung nicht ausreichte, so dass es am Schluss an Angeboten zur Lösung individueller Problemlagen fehlte. Misstrauen und/oder Unsicherheit waren auch Beweggründe, die Betroffene veranlassten, sich zusammen zu schließen.

So wurde die Selbsthilfegruppe für Krebsbetroffene e.V. Bochum im Jahre 1979 von betroffenen Frauen und SPD-Frauen mit dem Ziel gegründet, die psychosoziale Lücke zu füllen, besser mit der Erkrankung umgehen zu können, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsame Kräfte im Kampf gegen den Krebs zu mobilisieren.

Nach einem Jahr – 1980 – wurde dann die Beratungsstelle mit professionell arbeitenden Mitarbeiter/Innen eingerichtet, u.a. einer Diplom-Psychologin, einer Diplom-Sozialpädagogin und einer Bürokraft, um den Ansprüchen und Bedürfnissen der Betroffenen und deren Angehörigen gerecht zu werden.

In der Selbsthilfegruppe engagieren sich acht ehrenamtliche MitarbeiterInnen in den Kontakt- und Gesprächsgruppen, sowie Sportgruppen wie Schwimmen und Turnen. Von diesen acht ehrenamtlichen MitarbeiterInnen gehören fünf zum Vorstand, der sich aus drei gleichberechtigten Vorsitzenden und zwei Beisitzern zusammensetzt.

Diese Einrichtung ist seitdem in dieser Form einzigartig in NRW und hat seit Bestehen Modellcharakter. Es ist eine wichtige Anlaufstelle für Krebsbetroffene, in der sie psychosozial betreut werden als auch wichtige Informationen bekommen können. Durch Kooperation von Selbsthilfe und Professionalität ist damit eine optimale Unterstützung erreicht. Hier wurde/wird eine gravierende Lücke in der psychosozialen Versorgung von Krebskranken zwischen Krankenhaus und Krebsnachsorge geschlossen.